Seit dem 1. Juli 2014 ist die CE-Kennzeichnung für tragende Stahl- und Aluminiumbauteile nach EN 1090-1 in der EU verpflichtend. Ohne CE-Kennzeichnung dürfen tragende Stahlbauteile nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Die Umsetzung dieser Anforderung betrifft tausende Stahlbauunternehmen, Schlossereibetriebe und Metallverarbeiter — vom Einmannbetrieb bis zum internationalen Stahlbaukonzern.
Bei NovoCert by WS Anlagentechnik GmbH kennen wir die Herausforderungen der EN 1090 aus der täglichen Beratungspraxis. Unser Geschäftsführer Harry Molitor, IWE (International Welding Engineer), verbindet schweißtechnische Expertise mit normativem Know-how. An unserem Standort bei der SIEGEL Akademie in Ludwigshafen bieten wir zudem TÜV-zertifizierte Flanschmonteur-Schulungen nach DIN EN 1591-4 an — eine ideale Ergänzung zur EN 1090-Qualifikation.
Was regelt EN 1090?
Normstruktur und Anwendungsbereich
Die EN 1090 besteht aus mehreren Teilen:
- EN 1090-1: Konformitätsbewertung von tragenden Bauteilen — Dieser Teil regelt die CE-Kennzeichnung. Er definiert die Anforderungen an die werkseigene Produktionskontrolle (WPK) und die Leistungserklärung (Declaration of Performance, DoP). EN 1090-1 ist eine harmonisierte Europäische Norm nach der Bauproduktenverordnung (BauPVO, VO (EU) 305/2011).
- EN 1090-2: Technische Regeln für die Ausführung von Stahltragwerken — Dieser Teil legt die technischen Anforderungen an Material, Fertigung, Schweißen, mechanisches Verbinden, Montage, Oberflächenschutz und Toleranzen fest. Die Anforderungen sind nach Ausführungsklassen (EXC1 bis EXC4) gestaffelt.
- EN 1090-3: Technische Regeln für die Ausführung von Aluminiumtragwerken — Analog zu Teil 2, aber für Aluminium.
Warum ist die CE-Kennzeichnung Pflicht?
Die Bauproduktenverordnung (BauPVO) verlangt, dass Bauprodukte, für die eine harmonisierte europäische Norm existiert, mit einer CE-Kennzeichnung versehen werden müssen, bevor sie auf dem europäischen Markt in Verkehr gebracht werden. Tragende Stahlbauteile fallen unter EN 1090-1 — also müssen sie CE-gekennzeichnet werden.
Die CE-Kennzeichnung ist kein Qualitätssiegel im engeren Sinne, sondern eine Konformitätserklärung des Herstellers: Er bestätigt, dass das Produkt die in der Leistungserklärung angegebenen wesentlichen Merkmale erfüllt und dass die werkseigene Produktionskontrolle ordnungsgemäß durchgeführt wird.
Die vier Ausführungsklassen (EXC)
EN 1090-2 definiert vier Ausführungsklassen, die das Anforderungsniveau an Fertigung und Qualitätssicherung abstaffeln:
EXC1 — Niedrige Beanspruchung - Einfache Tragwerke mit vorwiegend ruhender Belastung - Keine ermüdungsrelevanten Beanspruchungen - Beispiele: Untergeordnete Tragstrukturen, einfache Treppengeländer - Schweißqualität: ISO 3834-4 (elementar)
EXC2 — Mittlere Beanspruchung (Standard) - Die häufigste Ausführungsklasse im allgemeinen Stahlbau - Mäßige Ermüdungsbeanspruchung möglich - Beispiele: Hallentragwerke, Treppen, Balkone, Fassadenunterkonstruktionen - Schweißqualität: mindestens ISO 3834-3 (Standard)
EXC3 — Hohe Beanspruchung - Tragwerke mit hoher Beanspruchung oder Ermüdungsrelevanz - Beispiele: Brücken (bestimmte Kategorien), Kranbahnträger, hohe Masten - Schweißqualität: ISO 3834-2 (umfassend)
EXC4 — Sehr hohe Beanspruchung - Tragwerke mit extremer Beanspruchung oder Versagenskonsequenz - Beispiele: Brücken mit hohem Verkehrsaufkommen, kerntechnische Anlagen, besonders gefährdete Tragwerke - Schweißqualität: ISO 3834-2 (umfassend) mit zusätzlichen Anforderungen
Die Zuordnung der Ausführungsklasse erfolgt nach EN 1993-1-1 (Eurocode 3) auf Basis der Schadensfolge (CC), der Gefährdungskategorie (SC) und der Fertigungskategorie (PC).
Werkseigene Produktionskontrolle (WPK)
Das Herzstück der EN 1090-1 ist die werkseigene Produktionskontrolle (WPK) — ein internes Qualitätssicherungssystem, das folgende Bereiche abdeckt:
- Personal — Qualifikation von Schweißern (ISO 9606), Schweißaufsicht (IWE/IWT/IWS), Prüfpersonal (ZfP-Qualifikation)
- Ausrüstung — Kalibrierung und Wartung von Schweißausrüstung, Mess- und Prüfmitteln
- Konstruktionsunterlagen — Dokumentenlenkung, Zeichnungsprüfung, Änderungsmanagement
- Werkstoffe — Eingangskontrolle, Lagerung, Rückverfolgbarkeit, Werkstoffzeugnisse nach EN 10204
- Fertigung — Zuschnitt, Umformung, Lochbildung, Schweißen, mechanisches Verbinden
- Schweißen — Schweißanweisungen (WPS), Verfahrensprüfungen (WPQR), Schweißerqualifikation
- Mechanisches Verbinden — Schraubverbindungen (vorspannbare und nicht vorspannbare), Nieten
- Montage — Probeaufbau, Passgenauigkeit, Montageanleitungen
- Oberflächenschutz — Korrosionsschutz nach EN ISO 12944, Verzinkung
- Geometrische Toleranzen — Fertigungs- und Montagetoleranzen nach EN 1090-2
- Prüfung — Sichtprüfung, zerstörungsfreie Prüfung (ZfP), Dokumentation
Leistungserklärung und CE-Kennzeichnung
Für jedes in Verkehr gebrachte tragende Bauteil muss der Hersteller eine Leistungserklärung (Declaration of Performance, DoP) erstellen. Diese enthält:
- Produkttyp und Identifikation
- Vorgesehener Verwendungszweck
- Wesentliche Merkmale und deren erklärte Leistung
- Ausführungsklasse
- Verweis auf die WPK und das Überwachungszertifikat der notifizierten Stelle
Die CE-Kennzeichnung wird am Bauteil oder auf dem Begleitdokument angebracht und verweist auf die Leistungserklärung.
Anforderungen im Überblick
Nach Ausführungsklasse gestaffelt
| Anforderung | EXC1 | EXC2 | EXC3 | EXC4 |
|---|---|---|---|---|
| ISO 3834-Stufe | -4 | -3 | -2 | -2 |
| Schweißaufsicht | Empfohlen | IWS/IWT | IWT/IWE | IWE |
| Schweißer ISO 9606 | Pflicht | Pflicht | Pflicht | Pflicht |
| WPS nach ISO 15614 | Vereinfacht | Standard | Umfassend | Umfassend |
| ZfP-Umfang | Minimal | 10-20 % | 20-50 % | 50-100 % |
| Werkstoffzeugnisse | 2.2 | 3.1 | 3.1 | 3.1 + 3.2 |
| Rückverfolgbarkeit | Grundlegend | Teilweise | Vollständig | Vollständig |
| Notifizierte Stelle | System 2+ | System 2+ | System 2+ | System 2+ |
Schlüsseldokumente für die WPK
- WPK-Handbuch (ggf. integriert in QM-Handbuch)
- Schweißanweisungen (WPS) und Verfahrensprüfungen (WPQR)
- Schweißerqualifikationsnachweise (ISO 9606)
- Schweißaufsicht-Benennung (ISO 14731)
- Prüfpläne und ZfP-Anweisungen
- Werkstoffnachweise und Rückverfolgbarkeitsmatrix
- Kalibrierungsnachweise für Mess- und Prüfmittel
- Leistungserklärungen (DoP) — Muster und Register
- Korrosionsschutzdokumentation
Was wir für Sie tun
Phase 1: Einstufung und Gap-Analyse
Wir klären zunächst die grundlegenden Fragen:
- Welche Ausführungsklasse(n) benötigen Sie für Ihr Produktspektrum?
- Welche ISO 3834-Stufe ist erforderlich?
- Welche Qualifikationen fehlen (Schweißer, Schweißaufsicht, ZfP-Personal)?
- Wie ist der aktuelle Stand Ihrer Dokumentation?
- Welche Investitionen in Ausrüstung sind erforderlich?
Das Ergebnis ist ein detaillierter Maßnahmenplan mit Prioritäten und realistischem Zeitplan.
Phase 2: Aufbau der WPK
Gemeinsam mit Ihrem Team bauen wir die werkseigene Produktionskontrolle auf:
- WPK-Handbuch mit allen Verfahrensanweisungen
- Schweißmanagement nach ISO 3834 in der erforderlichen Stufe
- Qualifizierung des Personals (Schweißer, Schweißaufsicht, Prüfer)
- Werkstoffmanagement mit Eingangsprüfung und Rückverfolgbarkeit
- Prüfplanung (Sichtprüfung, ZfP, Maßkontrolle)
- Leistungserklärungsvorlagen und CE-Kennzeichnungskonzept
- Integration in Ihr bestehendes QM-System nach ISO 9001
Phase 3: Erstprüfung und Zertifizierung
Wir begleiten Sie durch den gesamten Zertifizierungsprozess:
- Auswahl der geeigneten notifizierten Stelle
- Vorbereitung auf die Erstinspektion (Probeaudit)
- Begleitung der Vor-Ort-Inspektion durch die notifizierte Stelle
- Bearbeitung eventueller Abweichungen
- Erstellung der ersten Leistungserklärungen und CE-Kennzeichnung
Phase 4: Laufende Überwachung
Die notifizierte Stelle führt jährlich Überwachungsinspektionen durch. Wir unterstützen Sie bei:
- Vorbereitung der jährlichen Überwachung
- Aktualisierung der WPK-Dokumentation
- Verlängerung von Schweißerqualifikationen
- Erweiterung auf neue Ausführungsklassen oder Produktgruppen
- Digitale Compliance-Überwachung über unser IMS
Integration mit anderen Standards
EN 1090 steht im Zentrum eines Netzwerks verknüpfter Normen:
- ISO 3834 — Die direkte Voraussetzung für die Schweißqualität in EN 1090. Die Ausführungsklasse bestimmt die erforderliche ISO 3834-Stufe. Beide Systeme werden gemeinsam implementiert.
- ISO 9001 — Das übergeordnete QM-System bildet den Rahmen für die WPK. Die Prozesslandkarte, das Dokumentenmanagement und die Managementbewertung gelten auch für die EN 1090-Prozesse.
- ISO 45001 — Arbeitsschutz im Stahlbau: Absturzgefahren, Schweißrauch, schwere Lasten, Kranarbeiten. Die Life Saving Rules adressieren genau diese Risiken.
- SCC-Zertifizierung — Viele Stahlbauunternehmen arbeiten als Kontraktoren auf Industrieanlagen und benötigen SCC zusätzlich zur EN 1090.
- Flanschmonteur-Schulung — An unserem Standort bei der SIEGEL Akademie in Ludwigshafen bieten wir TÜV-zertifizierte Flanschmonteur-Schulungen nach DIN EN 1591-4 an. Die Kombination aus Stahlbau-Kompetenz und Flanschverbindungstechnik ist im Anlagenbau besonders gefragt.
Häufige Fragen zu EN 1090
Braucht jeder Schlosserbetrieb eine EN 1090 Zertifizierung?
Nur wenn der Betrieb tragende Stahlbauteile herstellt und in Verkehr bringt. Nicht tragende Bauteile (z. B. reine Zierelemente, Geländer ohne tragende Funktion, Möbel) fallen nicht unter EN 1090-1. Auch reine Montagebetriebe, die keine Bauteile herstellen, sondern nur am Bau montieren, benötigen keine eigene CE-Kennzeichnung — wohl aber der Hersteller der Bauteile.
Was passiert, wenn wir ohne CE-Kennzeichnung liefern?
Die Marktüberwachungsbehörden (in Deutschland die Bauaufsichtsbehörden der Länder) können Sanktionen verhängen: Untersagung des Inverkehrbringens, Rückruf bereits ausgelieferter Produkte, Bußgelder. Darüber hinaus entstehen zivilrechtliche Risiken: Bei einem Schadensfall haftet der Hersteller, und fehlende CE-Kennzeichnung kann als Produktmangel gewertet werden.
Wie lange dauert die EN 1090 Zertifizierung?
Von der Gap-Analyse bis zum Zertifikat der notifizierten Stelle vergehen typischerweise 4 bis 9 Monate. Die Dauer hängt stark davon ab, ob bereits ein QM-System und Schweißqualifikationen vorhanden sind. Betriebe mit ISO 9001 und ISO 3834 können in 3 bis 4 Monaten zertifiziert werden. Bei Neueinstieg ohne bestehende Systeme sollten 6 bis 12 Monate eingeplant werden.
Was kostet die EN 1090 Zertifizierung?
Die Gesamtkosten setzen sich zusammen aus Beratung, Personalqualifikation (Schweißerprüfungen, ggf. IWE/IWT-Ausbildung), Verfahrensprüfungen (WPQR) und Gebühren der notifizierten Stelle. Für einen typischen mittelständischen Stahlbaubetrieb liegen die Gesamtkosten zwischen 10.000 und 30.000 EUR im ersten Jahr. Die jährlichen Folgekosten (Überwachung, Verlängerungen) liegen bei 3.000 bis 8.000 EUR.
Können wir mehrere Ausführungsklassen abdecken?
Ja. Die WPK kann für mehrere Ausführungsklassen aufgebaut werden. Wer für EXC3 zertifiziert ist, darf automatisch auch in EXC1 und EXC2 fertigen. Es empfiehlt sich, die WPK von Anfang an auf die höchste benötigte Ausführungsklasse auszurichten, um spätere Erweiterungen zu vermeiden.
Wie hängen EN 1090 und Eurocode 3 zusammen?
Der Eurocode 3 (EN 1993) ist die Bemessungsnorm für Stahltragwerke — er regelt die statische Berechnung. EN 1090 ist die Ausführungsnorm — sie regelt die Herstellung und Montage. Beide Normen ergänzen sich: Der Statiker berechnet nach Eurocode 3 und legt die Ausführungsklasse fest, der Stahlbauer führt nach EN 1090 in der entsprechenden Ausführungsklasse aus.
Referenzen
- Altrad — EN 1090-Beratung für Gerüstbau und tragende Stahlkonstruktionen im Industrieservice
- ETABO Energietechnik / PSS Industrial Group — Integration der EN 1090 in das IMS Mission Zero für den Energieanlagenbau
- IAB — Schweißtechnische Qualifizierung im Kontext EN 1090
- Peeters Industrieservice — Stahlbauarbeiten im Industrieservice mit EN 1090 und SCC
- Kaya Schweißtechnik — Komplette EN 1090 Zertifizierung mit ISO 3834-2 und WPK-Aufbau
- SE Bildung, Hagen — Schulungsprogramme für EN 1090-relevante Qualifikationen
Unsere Zahlen
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Betreute Kunden | 559 |
| Erstellte Gefährdungsbeurteilungen | 967 |
| Compliance-Quote | 97,9 % |
| Betreute Normen und Standards | 17 |
| Spezialisierte KI-Agenten im IMS | 9 |
| BowTie-Risikoanalysen | 30 |
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Tel: +49 152 57877899 E-Mail: Consulting@ws-anlagentechnik.de Web: novocert.de
Standorte: Troisdorf | Wesseling | Ludwigshafen (SIEGEL Akademie) | Hagen (SE Bildung)
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